Dienstag, 29. Mai 2012

Tod eines Bruders

Acki (Mitte) - ein Kind aus Voslapp.



















BASU-Ratsherr Joachim Tjaden ist tot

In diesem Jahr habe ich oft um das Leben meiner 82-jährigen Mutter gebangt. Sie stürzte im evangelischen Alten- und Pflegeheim Fedderwardergroden, sie erlitt einen Schlaganfall, mit dem Rad pendelte ich zwischen Krankenhaus und Heim hin und her. Meine Mutter überstand jede Krise, ist zwar ein wenig tütelig geworden und schwach auf den Beinen, aber sie lebt, hat es immer ein wenig eilig, will schon eine Stunde vor dem Abendbrot am Tisch sitzen.

Jetzt hat sich der Tod ein anderes Familienmitglied geholt, meinen Bruder Joachim (Acki) Tjaden, der am 20. Juni 56 Jahre alt geworden wäre. Er kam zur Welt, als ich sieben Jahre alt war. Auf dem Weg zum Krankenhaus teilte uns mein Vater mit: "Ihr habt wieder einen Bruder bekommen." Damit war ich gar nicht einverstanden, nach meinem Bruder Detlef wollte ich endlich eine Schwester. Schwestern bekam ich aber erst später.

1972 verließ ich Wilhelmshaven, ich wohnte in Mainz, Luzern, Arad, Hamburg und in Hannover. Der Kontakt zu Acki wurde erst 2001 wieder enger. Ich kandidierte für einen Stadtrat in der Region Hannover, er trat in Wilhelmshaven an. Wir wünschten uns gegenseitig Glück, tauschten Erfahrungen aus, bei Gesprächen in der Küche meiner Eltern ließ er kein gutes Haar am JadeWeserPort. Als ich wieder in Wilhelmshaven wohnte, lud er mich ins Wilhelmshavener Tierheim ein, erzählte von seinen Plänen als Vorsitzender des Tierschutzvereins.

Wann er mit wem Krach bekommen hatte, erfuhr ich aus der Zeitung, nicht von Acki. Über die Gründe schwieg er sich aus. Er blieb ein Fremder in der eigenen Familie. Vieles kam für uns alle überraschend: erst WALLI, dann BASU, erst Wilhelmshavener Tierschutzverein, dann Tierschutz aktiv in Friesland. Alles schien er irgendwie allein zu entscheiden, wenn man etwas von den Organisationen hörte, dann meistens von ihm.

Acki muss mehr Anträge und Pressemitteilungen geschrieben haben als alle anderen Ratsmitglieder zusammen. Als ich Wilhelmshaven verließ, interessierte er sich überhaupt nicht für Politik, er gehörte auch keinem Verein an. Das kam alles viel später - und für seine eigene Familie ebenfalls überraschend.

Jetzt ist Acki tot. Einen Streit, den wir ein paar Monate lang hatten, legten wir kürzlich bei. Wenigstens das glückte uns noch rechtzeitig und gemeinsam...

26. Dezember 2012
Recherchen im mail-Account meines toten Bruders





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