Montag, 24. Juni 2013

Polizei mit Taschenlampen (IX)

Die Polizei nimmt Stellung zu meiner ersten Beschwerde über die Wohnungsdurchsuchung bei mir am 17. Juni 2013, 21.40 Uhr. Geschrieben hat mir der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Wilhelmshaven/Friesland. Er weist völlig zu Recht darauf hin, dass vom Jugendamt vor einer solchen Aktion erst einmal das Gefährdungsrisiko für ein Kind abgeschätzt werden müsse. Dafür müssten vom Jugendamt auch Fachkräfte eingeschaltet werden. Erst dann dürfe das Jugendamt die Polizei um Amtshilfe bitten.

Das kann nicht geschehen sein. Wären beispielsweise der Jugendamtsleiter Carsten Feist und der Sozialpädagoge vom Familienzentrum Nord befragt worden, hätten die sagen müssen: “Wir kennen den Tjaden.” Das gilt auch für weitere Jugendamtsmitarbeiterinnen und Jugendamtsmitarbeiter, die mich alle kennen. Vom Tisch ist damit auch die Behauptung des Jugendamtes, vor meiner Tür habe gar keine Mitarbeiterin dieser Behörde gestanden…

Zu klären ist noch die Frage, wie die beiden Polizeibeamten, die mit Taschenlampen in meine Wohnung eingedrungen sind, heißen. Sie haben ihre Namen mit Weigand und Schweiger angegeben. Diese Namen wurden mir von der Wache anschließend bestätigt.

Geprüft wird der Fall derzeit auch von den “zentralen Diensten” der Stadt Wilhelmshaven. Der Vater des Kindes muss mit dem Jugendamt von Wilhelmshaven gesprochen haben. Welche Behauptungen hat dieser Vater über mich aufgestellt? Das prüft derzeit auch seine Arbeitgeberin.

Da das Jugendamt von Wilhelmshaven diese Aktion gegen mich gestartet hat, habe ich ein Recht darauf, die Gründe zu erfahren. Darauf werde ich bestehen.
 
 
Mail an die Polizeidirektion Wilhelmshaven-Friesland
 
Sehr geehrter Herr Schulz,

ich stimme Ihrer Einschätzung der rechtlichen Situation zu. Sie schildern auch das notwendige Vorgehen des Jugendamtes korrekt. Aus der Welt ist damit die Behauptung des Wilhelmshavener Jugendamtes, an der Aktion sei gar keine Mitarbeiterin des Jugendamtes beteiligt gewesen. Ich habe am Dienstag die Bereitschaft des Jugendamtes angerufen und um Aufklärung gebeten. Das war gegen 10 Uhr. Zurückgerufen wurde ich nicht. Auch der Wilhelmshavener Jugendamtsmitarbeiter, der mit diesem Fall nach Gesprächen mit der Mutter und mit mir vertraut ist, reagierte bis heute nicht auf meine Bitten um Rückruf. Den Sozialpädagogen des Familienzentrums Nord, der sich das Kind einmal anschauen wollte, weil ich einen gewissen Verdacht hege, erreichte ich ebenfalls nicht. Er soll am Mittwoch wieder da sein.

Da mich der Vater des Kindes am Sonntag angerufen hat (es war das erste Mal, seit ich seinen Jungen von Besuchen in Wilhelmshaven kenne), ist mir auch nur bekannt, dass der Junge am Mittwoch wieder in Münster sein sollte. Das teilte ich der Mutter am Sonntagabend mit. In die Umgangsregelung mische ich mich nicht ein. Der Junge freut sich auf mich. Das reicht mir völlig.

Völlig rätselhaft ist mir, wann das Wilhelmshavener Jugendamt Experten eingeschaltet haben will, um die Dringlichkeit der Angelegenheit zu überprüfen. Die Mutter, der Junge und ich sind am Montag erst im Seewasseraquarium gewesen. Die Eintrittskarte habe ich noch. Sie ist um 16 : 27 : 22 Uhr abgestempelt. Anschließend fuhren wir zum Ölhafen, weil ich dem Kleinen die Tanker zeigen wollte. Und dann wollte der Junge noch zum Strand. Da fiel mir ein Sandsteifen in Höhe Kohlekraftwerk ein. In Kraftwerk-Nähe parkte ich auch mein Auto. Wir gingen über den Deich und zum Wasser, das von Schaumbällchen gekrönt wurde. Gegen 19.15 Uhr bekam der Kleine von der Mutter die erste Ermahnung, dass der Junge nun nach Hause müsse. Sie zog ihn wieder an, wir kehrten zum Auto zurück. Vor halb acht können wir dort nicht gewesen sein. Ich gondelte mit dem Jungen noch ein wenig durch Rüstersiel und den Stadtnorden.

Wir saßen noch im Auto, als der Vater auf dem Handy der Mutter anrief. Er sei nun in Wilhelmshaven, sagte er. Ich ließ ihm ausrichten, dass wir unterwegs sind. Zu der Zeit liefen auf Radio 21 die 8-Uhr-Nachrichten. Wir fuhren zur Wohnung der Mutter. Dort war der Vater nicht!  Wann ist der Vater denn bei der Polizei gewesen? Oder war er zu der Zeit schon bei Ihnen?

Nach halb zehn klingelte jemand an meiner Tür. Ich dachte, das sei ein Prospektverteiler. Dann hämmerte jemand an meine Tür. Ich fragte, wer da sei und bekam zur Antwort: “Polizei!” Ich öffnete vorsichtig die Tür, sie wurde aufgerissen, man drängte mich an die Wand, Figuren aus einem meiner Setzkästen fielen herunter. Meine Wohnung wurde um 21.40 Uhr mit Taschenlampen durchleuchtet! Wenn der Junge wirklich in meiner Wohnung gewesen wäre, wohin hätte er denn fliehen sollen? Ich wohne in der ersten Etage. Und wenn schon ich schockiert gewesen bin, wie schockiert wäre erst ein Fünfjähriger gewesen? Die Namen der Polizeibeamten erfuhr ich auch erst nach zweimaliger Nachfrage. Wenn das korrektes Verhalten der Polizei ist, dann frage ich mich, was ich mir unter unkorrektem Verhalten vorzustellen habe.
 
Auch ausgewiesen haben sich die Beamten, die sich Weigand und Schweiger genannt haben, nicht (die Namen sollen falsch sein, siehe meine zweite Beschwerde). Mir wurde auch nichts Schriftliches gezeigt, womit das Eindringen in meine Wohnung hätte gerechtfertigt werden können. Sogar den Grund für die Wohnungsdurchsuchung erfuhr ich erst mündlich, als die Beamten bereits festgestellt hatten, dass sich in meiner Wohnung kein Kind befindet. Und wenn es ein anderes, beispielsweise einer meiner Neffen gewesen wäre? Die Jugendamtsmitarbeiterin sagte kein einziges Wort. Zumindest sie hätte ein Schriftstück dabei haben müssen. Und warum wusste sie nicht, wer ich bin?

Ich gefährde keine Kinder, ich entführe sie auch nicht. Eins habe ich gelernt: Die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt von Wilhelmshaven scheint für das Wohlergehen von Kindern nicht sehr nützlich zu sein...Mit dem Familienzentrum Nord war übrigens abgesprochen, dass der Junge dort an einem Montag, Dienstag oder Mittwoch zu meinem Verdacht befragt werden kann. Die Mutter war am Montagvormittag dort! Die Einrichtung war leider geschlossen, haben mir Mutter und Sohn berichtet. Wollte der Vater verhindern, dass man meinem Verdacht nachgeht? Es muss 14 Tage her sein, dass ich mit dem Sozialpädagogen des Familienzentrums Nord darüber gesprochen habe. Ich bat ihn um eine rücksichtsvolle Befragung des Kindes, weil ich keine Pferde scheu machen wollte.

Ich habe auch schon versucht, die zuständige Jugendamtsmitarbeiterin in Münster-Nienberge zu erreichen. Sie ist am Mittwoch wieder da. Die Frage, ob die Namen der Polizeibeamten echt sind oder nicht, muss noch geklärt werden. Danke! Eine Kopie dieser mail bekommt die Stadt Wilhelmshaven zur weiteren Überprüfung. Der Oberbürgermeister der Stadt hat eine Prüfung eingeleitet.

Polizei mit Taschenlampen (X): Kommentarfunktion wieder geändert

 

 

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

als therapeut habe ich oft die erfahrung gemacht: zu viel gerät aus dem ruder, wenn ein jugendamt eingeschaltet wird.

Anonym hat gesagt…

gute antwort, herr tjaden. die sache auf den punkt gebracht.

Anonym hat gesagt…

solche jugendamtsskandale sind leider alltag...