Mittwoch, 26. Juni 2013

Polizei mit Taschenlampen (XI)

Wilhelmshaven für Außenstehende

Mein blog wird mehr gelesen denn je, viele Leserinnen und Leser kommen aber gar nicht aus Wilhelmshaven. Sie lesen die Jugendamts- und Polizei-Geschichte, weil es solche Rechtsbrüche auch bei ihnen gibt. Aber keine Bange: So weit wie in Bayern ist man hier zu Stadt noch nicht. Dort reicht inzwischen die Ankündigung einer Veranstaltung mit der Justizministerin im Internet, damit die Polizei in Zivil vor der Tür steht.  Die Bundeskanzlerin regt sich darüber nicht auf. Sie kennt das aus der DDR und hat sich auch dort nicht darüber aufgeregt...

Was aber ist anders in Wilhelmshaven als anderswo? Erst einmal der Humor der Leute, die hier wohnen. Weist man auf einen Missstand hin, lautet die Antwort: "Das wird noch schlimmer. Aber ansonsten geht es aufwärts." Dann die Bahnverbindung. Jeder Zug endet in Wilhelmshaven. Die Strecke ist privatisiert. Da jeder Zug in Wilhelmshaven endet, kommen inzwischen einige gar nicht mehr an oder sie kehren vorher um. Darüber regt sich sogar die Lokalzeitung auf, die an anderen Tagen in Apotheken als Schlafmittel angeboten wird. Hellwach wird dieser Verlag sonst nur, wenn Konkurrenz droht. Dann kreisen grüne Autos um den Standort des neuen Verlages, dann lässt man verbreiten, dass zumindest eines der Führungskräfte vorbestraft ist. Die meisten Einwohnerinnen und Einwohner haben längst mit vielen Kapiteln der Stadt abgeschlossen, deswegen würde es sie auch nicht stören, wenn jemand das Rathaus abschließt. Derzeit wackelt der Rathausturm, wird nichts getan, muss er abgerissen werden. Die Wetten stehen auf Abriss.

Eines der Theater steht bei starken Regenfällen unter Wasser, weil sich der Eigentümer des Gebäudes um nichts kümmert. Ein Baudenkmal gammelt vor sich hin und die Ankündigungen, dass die Südzentrale doch noch saniert werden soll, werden demnächst als ausgeleierte Langspielplatten auf Flohmärkten angeboten. Da tun gelegentliche Überraschungen gut. Im Stadtnorden gibt es seit einem Dreivierteljahr einen Containerhafen, der als Arbeitsplatzmotor geplant worden ist, daraus geworden ist die stillste Gegend der Stadt, die sonst nur Kurorte zu bieten haben. Fahren Delegationen der heimischen Wirtschaft nach Hannover und besuchen dort den Ministerpräsidenten, werden sie verspottet. Wilhelmshaven sei auf der Überholspur, hat Weil jüngst gesagt.

Auch die Jugendamts- und Polizeigeschichte läuft anders ab als anderswo. Man prüft und stellt sich auf die neue Situation ein. Die Polizei hat sich mittlerweile wohl damit abgefunden, dass sie zwei neue Beamte hat, die sich die Künstlernamen Weigand und Schweiger gegeben haben. Einen Chef, der auf längere Zeit für sie zuständig ist, haben sie noch nicht. Gegen den läuft gerade ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft von Oldenburg. Das Jugendamt gründet weitere Unterabteilungen. Um die Mitarbeiterin, die mit der Polizei vor meiner Tür versteckt hat, irgendwo zu verstecken?

Polizei mit Taschenlampen (XI): Vertröstung - die nächste

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