Dienstag, 9. Juli 2013

Polizei mit Taschenlampen (XIX)

Wo Ordnungsdienst drauf steht ist nicht immer Ordnungsdienst drin

Nun warnt die Polizei vor Betrügern, die in der Stadt unterwegs sind und sich als Mitarbeiter des Ordnungsdienstes der Stadt Wilhelmshaven ausgeben. Sie tragen T-Shirts mit dem Aufdruck "Ordnungsamt" oder "Ordnungsdienst", halten Hundehalter an und kassieren, wenn am Halsband keine Steuermarke baumelt, sie stoppen Radfahrer und verhängen Strafen für angebliche Verkehrsverstöße. Diese Warnung endet mit dem Hinweis "Bei Zweifeln an der Identität von Ordnungsdienstmitarbeitern sollte man sich den Dienstausweis zeigen lassen. Wird das abgelehnt, sollte sofort die Polizei informiert werden." Und dann kommen Weigand und Schweiger?

In Wilhelmshaven kann man offenbar keine Realsatire mehr schreiben. Da dringen in meine Wohnung zwei Polizeibeamte ein, die nach der Wohnungsdurchsuchung falsche Namen angeben - und was bekomme ich zur Antwort? Der stellvertretende Polizeichef von Wilhelmshaven teilt mir mit, dass die Aktion in Ordnung gewesen sei, außerdem habe man lediglich im Auftrag des Wilhelmshavener Jugendamtes gehandelt. Immer noch warte ich auf eine Antwort auf meine Frage, wie diese Polizeibeamten tatsächlich hießen.

Außerdem weiß ich inzwischen, dass man auch dann vorsichtig sein muss, wenn man als Radfahrer von echten Ordnungsdienstmitarbeitern angehalten wird. Das gilt sogar dann, wenn ein Polizeibeamter dabei ist. So geschehen am 19. Juni 2012. An diesem Tag stoppten mich drei Ordnungsdienstmitarbeiter und ein Polizeibeamter. Anschließend bekam ich auch noch einen falschen Bußgeldbescheid. Als ich mich vor Gericht dagegen wehrte, behauptete der Polizeibeamte, ich sei gar nicht von vier Männern angehalten worden, sondern von einem Ordnungsdienstmitarbeiter und von ihm. Der Richter reagierte überhaupt nicht auf meine Forderung, diesen Sachverhalt aufzuklären. Er verurteilte mich.

Vielleicht sind die Betrüger, die jetzt unterwegs sind, davon inspiriert worden? Möglicherweise haben sie sich gedacht, wenn es so leicht ist, an das Geld anderer Leute heranzukommen, warum probieren wir es nicht einmal selbst? In einer Stadt, in der ich schon seit über drei Wochen auf befriedigende Stellungnahmen der Polizei und des Jugendamtes warte, halte ich auch das für möglich. Da passt doch ein Ratsherr, der einen Anwalt eingeschaltet hat, weil ich angeblich ein Lichtbild von diesem Lokalpolitiker veröffentlicht habe, geradezu perfekt ins Bild seltsamer Vorkommnisse, an die sich irgendwann niemand mehr erinnern will. Auf dieses Anwaltsschreiben habe ich überhaupt nicht reagiert - und was geschieht? Nichts mehr...Obwohl dieser Lokalpolitiker liebend gern von mir 300,01 Euro für jede weitere Veröffentlichung seines Lichtbildes verlangt hätte. Einige Anwälte mögen solche Mandanten. Denn ihr Honorar bekommen sie auf jeden Fall.

Polizei mit Taschenlampen (XX): Mail an Jugendamt und Zentrale Dienste

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