Freitag, 12. Juli 2013

Polizei mit Taschenlampen (XXI)

Das Amnesie-Amt

Sehr geehrter Herr Tjaden,

wie Ihnen bereits mitgeteilt wurde, können wir in der Sache  aus datenschutzrechtlichen Erwägungen keine Auskünfte an Dritte erteilen. Außerdem haben wir Sie mehrfach darauf hingewiesen, dass die örtliche Zuständigkeit nicht beim Jugendamt Wilhelmshaven liegt.

Ich möchte Sie daher bitten, Ihre Anliegen ggf. dem zuständigen Jugendamt Münster vorzutragen.

Mit freundlichem Gruß
Rita E.-R.
Abteilungsleiterin Pädagogische Dienste
Jugendamt Wilhelmshaven
Postfach 2353
26363 Wilhelmshaven


Mit dieser mail, die ich heute bekommen habe, will sich das Wilhelmshavener Jugendamt wohl zu jenen Behörden gesellen, die man nur im Beisein von mindestens einem Dutzend Zeugen aufsuchen sollte. Vorwärts - und alles vergessen. Wie hat es eigentlich um den Schutz meiner Privatsphäre ausgesehen, als dieses Jugendamt am 17. Juni 2013 bei mir eine Wohnungsdurchsuchung veranlasste, die mit der Ankündigung eines Polizeibeamten endete, ich hätte nun mit einem Strafverfahren wegen Beihilfe zu einer Kindesentführung zu rechnen? Wie sorgfältig wurde eigentlich vor diesem Einsatz geprüft, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass ich ein Kind verstecke?

Zu den Fakten: Eine Mutter aus Münster, deren Junge beim Vater und deren Tochter seit dem 1. April 2011 bei einer uns unbekannten Pflegefamilie lebt, ist am 29. September 2012 nach Wilhelmshaven gezogen, weil uns versichert wurde, dass sich das Jugendamt um den Fall kümmere, sobald diese Mutter in Wilhelmshaven lebt. Am Montag nach dem Umzug - also zwei Tage später - sind die Mutter und ich im Familienzentrum Nord gewesen. Dort sprachen wir mit einem Sozialpädagogen und gaben ihm einige Schriftstücke zur Weiterleitung an das Jugendamt. Die Mutter unterschrieb in meinem Beisein eine Schweigepflichtsentbindungserklärung.

Das erste offizielle Gespräch mit dem Jugendamt von Wilhelmshaven fand am 20. Februar 2013 statt. Anwesend waren die Mutter, die Abteilungsleiterin der Pädagogischen Dienste Rita E.-R., der Jugendamtsmitarbeiter C. und ich. Versprochen wurde uns, dass sich das Wilhelmshavener Jugendamt die Akten aus Münster kommen lässt. Da es damals noch ein Umgangsverbot der Mutter mit ihrer Tochter gab, das am 31. März 2013 endete, sagte Rita E.-R., dass die Akte vom Familiengericht Münster nach Beendigung des Umgangsverbotes "gezogen" werde. Das ist bis heute nicht geschehen. Außerdem ist die Mitarbeiterin des Jugendamtes von Münster, die Teile des Sorgerechtes für das Mädchen hat, in Rente gegangen. Heute habe ich nach mehreren Anrufen in Münster herausgefunden, wie der Nachfolger heißt. Den soll ich am Montag anrufen.

Das zweite Gespräch fand am 15. April 2013 im Familienzentrum Nord statt. Dazu eingeladen hatte der Jugendamtsmitarbeiter C. Dieser Einladung folgten die Mutter, der Sozialpädagoge des Familienzentrums Nord, der das Protokoll führte, und ich. Wir waren uns einig, dass für den Jungen kein Jugendamt mehr zuständig ist, die Kosten für die Pflegestelle des Mädchens müssten von Wilhelmshaven übernommen werden, da die Mutter in Wilhelmshaven lebt. Sobald das geschehe, wollte uns der Jugendamtsmitarbeiter C. mitteilen, wo das Mädchen lebt. Außerdem sollte ein Wiedersehen der Geschwister - möglichst im Beisein der Eltern - organisiert werden.

Inzwischen ist der Junge drei Mal in Wilhelmshaven bei seiner Mutter zu Besuch gewesen, heute Abend kommt er zum vierten Mal. Außerdem bekam ich am Montag von dem Jugendamtsmitarbeiter C. das Protokoll des Gespräches vom 15. April 2013. Und nun verschanzt sich das Wilhelmshavener Jugendamt hinter dem Datenschutz? Obwohl es nichts gibt, was ich nicht weiß? Obwohl ich bei jedem Gespräch anwesend sein durfte? Obwohl ich mehrfach mit dem Jugendamtsmitarbeiter C. telefoniert habe?

Nach einer illegalen Wohnungsdurchsuchung ist vor dem Schotten dicht machen? Und dem Jungen soll ich jetzt erklären, dass er noch lange warten kann, bis er seine Schwester wiedersieht, weil das Wilhelmshavener Jugendamt Versprechen bricht? Was nur haben diese beiden Kinder den Behörden angetan? Die beiden sind doch erst 4 und fast 6 Jahre alt - und können das Wort "Willkür" noch gar nicht buchstabieren...

"Manchmal kann ich gar nicht so viel trinken wie ich kotzen möchte" heißt es in einem Roman von Johannes Mario Simmel...

Ich werde diesen Beitrag an das Büro des Oberbürgermeisters schicken.

P. S. Bei den ersten beiden Sätzen in der mail von Rita E.-R. handelt es sich um Lügen!

Polizei mit Taschenlampen (XXII): Bürokratismus vs Kinderträume

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

das ist doch leider nichts neues. jugendämter winden sich immer irgendwie raus - und wenn sie dafür jedes gesetz brechen müssen. nach dem § 1666 bgb kommt für die auch kaum noch ein paragraph. würden die beachtet werden, wäre das wohl zu viel arbeit...der rückzug auf den datenschutz gegenüber ihnen, herr tjaden, ist auch nur taktik. das jugendamt weiß schließlich genau, dass sie bestens informiert sind - es also gar keine geheimnisse gibt.