Sonntag, 14. Juli 2013

Polizei mit Taschenlampen (XXII)

Bürokratismus vs Kinderträume

"Don´t stop me now" (Queen)

Aus der grauen Masse von Jugendamtsmitarbeitern und Familienrichtern ragt für mich immer noch jene Familienrichterin und jener Jugendamtsmitarbeiter heraus, die folgendes taten: Eine Mutter, die aus einer Einrichtung der Sucht- und Jugendhilfe Lüneburg geflüchtet ist, kehrt in ihre Heimatstadt zurück, geht sofort zum Jugendamt, das bereits von der Einrichtung angerufen worden ist, das Familiengericht beraumt einen Termin an und lädt dazu jene Mitarbeiterin der Sucht- und Jugendhilfe Lüneburg vor, die nur Negatives über die Mutter zu berichten weiß. Vor Gericht kann diese Mitarbeiterin keinen einzigen Vorwurf belegen, in einem anschließenden Gespräch eines Experten mit dem Leiter der Einrichtung erweist sich auch dieser als unfähig, Bedenken zu konkretisieren. Warum das Kind dieser Mutter in Lüneburg bleiben soll, kann er nicht begründen. Sofort wird die Rückkehr des Kindes angeordnet. Was der Leiter der Einrichtung bis heute offenbar nicht verwunden hat. Immer noch verleumdet Ruthard Stachowske diese Mutter - ohne ihren Namen zu nennen - im Netz. Das stört weder die Evangelische Hochschule Dresden, wo dieser Sozialpädagoge Honorarprofessor ist, das stört auch den Geschäftsführer der Sucht- und Jugendhilfe Lüneburg nicht. Sie lassen diesen Sozialpädagogen machen. Der auch auf mich so wütend ist, dass er mir zwei Beiträge auf seinen Seiten gewidmet hat. Das Wichtigste ist jedoch: Das Kind ist nicht mehr in einer Einrichtung der Sucht- und Jugendhilfe Lüneburg.

Das Kinder- und Jugendhilfesystem in Deutschland ist marode und dermaßen kompliziert, dass Kinder unter Gesetzesbergen verschütt gehen können. Außerdem wähnen sich Jugendämter einer so großen Machtfülle, dass sie - wie jetzt in Wilhelmshaven geschehen - ohne jeden triftigen Grund die Polizei zu Wohnungsdurchsuchungen losschicken können. Kundig machen muss sich da im Zweifelsfalle niemand. Bei jedem anderen Vorwurf hätte erst einmal ein Richter eingeschaltet werden müssen, der einen Durchsuchungsbefehl für meine Wohnung erlässt. Das gehört zu einem Rechtsstaat. Diese Rechtsauffassung ist mir schriftlich von der Wilhelmshavener Polizei bestätigt worden. Schließlich habe ich nicht mit einer Pistole in der Hand auf einem Balkon ein Kind bedroht. Jugendämter machen unbescholtene Bürger rechtloser als so manchen Schwerverbrecher. Stellen sich Beschuldigungen und Vermutungen als falsch heraus, werden entweder neue genannt oder sie sollen in Vergessenheit geraten. Dazu reicht oft ein Satz: "Es gibt inzwischen eine positive Entwicklung." Auf eine Begründung kann getrost verzichtet werden. Das Jugendamt muss das nur behaupten, schon ändern auch Familienrichter ihre Meinung.

Es ist lange her, dass ein Familienrichter aus Hannover zu mir gesagt hat: "Ich weiß, dass vor keinem Gericht so viel gelogen wird wie vor meinem." Damals ging es um ein Kind aus der ersten Ehe meiner Frau. Als wir uns scheiden lassen wollten, schlug der Richter vor: "Ich schalte das Jugendamt ein, denn Sie sind ein toller Vater." Ich bat ihn, das bleiben zu lassen. Ich habe offenbar damals den richtigen Riecher gehabt. Wer weiß, was geschehen wäre, wenn sich das Jugendamt eingeschaltet hätte...Irgend jemand hätte bestimmt an diesem Kind herumgezerrt. Alles natürlich im Namen des Kindeswohls...

Freitag und Samstag ist der Junge aus Münster mit seinem Vater in Wilhelmshaven gewesen. Ich habe die kleine Familie nach Hooksiel gefahren. Das ist inzwischen einer der Lieblingsplätze des Kleinen. Schon seit Monaten hat das Wilhelmshavener Jugendamt die Telefonnummer des Vaters. Nicht einmal ein Anruf ist bis heute von dieser Behörde für nötig befunden worden. Seit Freitag erklärt man sich für nicht zuständig. Das Kindeswohl endet offenbar an Behördengrenzen.

Für dieses Thema zeigt auch Bundespräsident Joachim Gauck keinerlei Interesse. Auf entsprechende Hinweise habe ich keine Antwort bekommen. Was der mit Freiheit meint, ist mir seitdem rätselhaft. Offenbar meint er seine Freiheit, salbungsvolle Reden zu halten...

Ja. Es hat auch schon andere Politiker gegeben. Die nahmen noch ernst, was sie sagten. Die antworteten umgehend. Ein Beispiel: der spätere Bundeskanzler Willy Brandt, als ich ein bürokratisches Problem mit einer Schule hatte. Das löste er innerhalb von drei Tagen. Ähnlich schnell reagiert auch die CSU-Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär bei familienpolitischen Themen.

Lesetipp: Das interessiert den Bundespräsidenten nicht

Polizei mit Taschenlampen (XXIII): Nur illegale Aktionen gehen schnell?







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