Sonntag, 17. November 2013

Treureal (II)

Weg aus Wilhelmshaven - für Hundebesitzer leicht gemacht

8. Oktober 2013. Da sage noch jemand, dass sich die Stadtmütter und Stadtväter von Wilhelmshaven keine Gedanken über die Zukunft der Bürgerinnen und Bürger machen. Besonders vorausschauend handeln sie für alle, die wegziehen wollen. Kennen wir doch alle: Verlässt uns jemand, wollen wir, dass es ihm gut geht.

Montag besichtige ich eine Wohnung in Südniedersachsen. Die kostet im Jahr 840 Euro mehr als meine Wohnung in einem Schimmel-Haus, das Anjas Erster Property gehört. Sie ist genauso groß, vom Balkon aus blicke ich auf eine Grünanlage, die Umgebung ist gepflegt, keine Straße hat Schlaglöcher, in unmittelbarer Nähe gibt es ein Kino, Supermärkte, Restaurants, Kneipen, ein Kindergarten, ein Spielplatz und einen Sportplatz. Meine Wohnung in Wilhelmshaven hat keinen Balkon, einen Hausmeister gibt es nicht, das Treppenhaus wird selten gereinigt, wenn es regnet, schießt das Wasser bis in den Keller.

Nun beginnt die Umzugsrechnung: Bei den Stromkosten spare ich 120 Euro, bei der Hundesteuer 44,60 Euro, bei der Kfz-Versicherung 38,10 Euro, bei den Benzinkosten 240 Euro, im Öffentlichen Nahverkehr 24 Euro, bei den Bankgebühren 40 Euro. Sind 506,70 Euro. Für den Balkon berechne ich 240 Euro. Für den tatsächlich vorhandenen Hausmeister 70 Euro. Sind 816,70 Euro. Benutze ich die Archive und leihe mir gelegentlich aus der Stadtbücherei etwas aus, erziele ich Gleichstand bei den Kosten.

Für den gleichen Preis habe ich keinen Schimmel im Haus, kann zwischen den Spielen von drei Bundesligavereinen wählen und jede Fahrt zu Bekannten in südlichen Bundesländern ist um mehrere 100 Kilometer kürzer. Die Arbeitslosigkeit ist halb so groß wie in Wilhelmshaven. Der Harz und die Mittelgebirge sind attraktiver als die Sander Berge, das Steinhuder Meer ist wunderschön. Wenn ich für meine Fußball-Erzählung "Mord und andere Fouls" recherchieren will, habe ich es nie weit.

Nun stöbere ich im Netz noch nach Wohnungen, die am Niederrhein liegen. Eine, die wesentlich preiswerter ist, habe ich bereits gefunden.

Fax an Amtsgericht Wilhelmshaven und Treureal in Munster
Mieter-Nummer 0722001001
Amtsgerichts-Aktenzeichen 6 C 695/1
15. Oktober 2013

Sehr geehrte Damen und Herren von Treureal,

das letzte Mal von Ihnen etwas gelesen habe ich am 24. Oktober 2012. Damals schickten Sie mir eine fristlose Kündigung meiner Wohnung wegen eines angeblichen Mietrückstandes von 6883,89 Euro. Ich sollte sofort gehen. Per Klageschrift vom 20. August 2013 wollen Sie mich wegen eines angeblichen Mietrückstandes von 8298,12 Euro aus der Wohnung entfernen. Innerhalb von zehn Monaten soll ich also weitere Mietschulden in Höhe von gut 1400 Euro angehäuft haben, was bedeuten würde, dass ich über 14 Monate lang überhaupt keine Miete bezahlt hätte. Schaffen Sie das mal in zehn Monaten!

Ich habe mich inzwischen auch an den angeblichen Hauptsitz von Treureal in Mannheim gewendet. Dass ich keine Antwort bekam, muss ich Ihnen wohl kaum erzählen. Trotzdem erzähle ich Ihnen, dass in unserem Haus erneut seit Monaten das Treppenhaus nicht mehr gereinigt worden ist. Die Platten, die zu den Abfallcontainern führen, haben sich wieder abgesenkt. Bei Dunkelheit stellen sie eine Gefahr dar.

Ich habe das Amtsgericht von Wilhelmshaven bereits gebeten, dass meine Akte nach Abschluss des Verfahrens an die Oldenburger Staatsanwaltschaft weitergeleitet wird. Es ist vier Jahre her, dass ich eine Mahnung von Treureal aus Chemnitz bekam. Auf meinem Mietkonto fehlten - nein, keine 3000 Euro, auch keine 2000 Euro oder 1000 Euro, sondern 39 (!) Euro! Warum damals für ein paar Tage Chemnitz zuständig war, ist mir bis heute ein Rätsel.

Das irre Haus

15. Oktober 2013 (tj). Das Fax ist noch nicht ganz in Munster gewesen, da rief mich überraschender Weise eine Mitarbeiterin von Treureal an. Sie wolle alles in Ordnung bringen, versprach sie. Außerdem habe sie bereits die Reparatur der kaputten Dachrinnen in Auftrag gegeben. Um meine Wohnung werde man sich ebenfalls kümmern.  Das klang gut.

Weniger gut ist, was mir gerade ein Mieter erzählt hat. Sein Bericht: Zwei Männer waren in unserem Haus, sie wollen es angeblich kaufen. Ihr Büro befindet sich in Wilhelmshaven in der Börsenstraße. Neue Eigentümer sind sie demnach ab 1. Januar 2014. Dann werden auch die Dachrinnen repariert.

Die am 1. Januar 2014 schon repariert worden sind, weil Treureal sich darum kümmerte? Treureal weiß nicht, dass unser Haus verkauft werden soll?

16. Oktober 2013
Fax an Treureal in Munster

Sehr geehrte Frau...,

dass Sie mich nach meinem gestrigen Fax zurückgerufen haben, hat mich überrascht, denn Reaktionen von Treureal gibt es nur selten. Bei Ihrem Anruf kündigten Sie eine Überprüfung meines Kontos an, sie sagten mir, dass die Reparatur kaputter Dachrinnen von Ihrem Unternehmen schon in Auftrag gegeben worden sei. Bei Starkregen steht in unserem Haus das Treppenhaus unter Wasser. Ich nannte Ihnen die Mängel in meiner Wohnung.

Dann erlebte ich die nächste Überraschung. Ein paar Stunden später erfuhr ich, dass unser Haus von zwei Männern besichtigt worden ist. Die beiden haben angeblich ein Büro in der Börsenstraße in Wilhelmshaven. Sie gaben sich als neue Eigentümer aus. Ein Mieter bekam schon den Auftrag, die Keller frei räumen zu lassen, die von den Mietern nicht genutzt werden können. Außerdem kündigten die beiden Männer eine Reparatur der Dachrinnen an, auch weitere dringend erforderliche Sanierungsarbeiten seien bereits von ihnen geplant. Finanzielle Unstimmigkeiten würden sie klären, wenn der Kauf über die Bühne gegangen ist. Die Abrechnungen von Treureal seien falsch. Zahlungen sollten nicht mehr geleistet werden.

Da ich mir eine zweimalige Reparatur der Dachrinnen nicht vorstellen kann, da ich auch nicht glaube, dass Mängel zweimal beseitigt werden, frage ich mich, was das Auftauchen dieser beiden Männer, die ein Auto mit Wilhelmshavener Kennzeichen fahren, zu bedeuten hat. Gibt es die neuen Eigentümer wirklich?

Eine Kopie dieses Faxes bekommt das Amtsgericht von Wilhelmshaven.

P. S. Cadomus in der Börsenstraße 31 soll die neue Eigentümerin sein. www.cadomus.de (dort steht allerdings eine andere Adresse.

22. Oktober 2013
Haus noch nicht verkauft?

Soeben sind eine treureale Mitarbeiterin und ein treurealer Mitarbeiter aus Munster in meiner Wohnung gewesen. Sie schauten sich die Mängel an und machten Fotos. Unser Haus ist nach Angaben der Treureal-Mitarbeiterin noch nicht verkauft worden.

23. Oktober 2013
Schlechter Wohnen auf dem Betzenberg

Der Südwestfunk sendet morgen einen Beitrag über eine Wohnanlage auf dem Betzenberg in Kaiserslautern, die Anjas Erster Property/Beates Zweiter Property gehört. "Zur Sache, Rheinland Pfalz" beginnt um 20.15 Uhr.

Die Ankündigung auf den SWF-Seiten:

Nicole Brunner hat es geschafft. Sie ist aus ihrer völlig verschimmelten Wohnung auf dem Betzenberg in Kaiserslautern ausgezogen. Was sie hinter sich hat, müssen 600 Bewohner der sogenannten „Beate-Wohnblöcke“ noch immer erdulden.
Ihnen fehlt das Geld für eine bessere Mietwohnung. Wer durch die langen Gänge der vier Wohntürme geht, sieht überall Wassereimer stehen, in die es von der Decke hineintropft. Irgendwann war das Dach undicht und wurde nicht repariert. Seitdem sucht sich das Wasser seinen Weg bis in den Keller. Außerdem sind in vielen Wohnungen Fenster kaputt, manche Heizungen funktionieren nicht — es gäbe viel zu tun. Aber repariert wird hier schon lange nichts mehr. Die Wohnblöcke gammeln vor sich hin. Eine Hausverwaltung gibt es zwar, doch die bekommt kein Geld mehr vom Eigentümer. Sie weiß auch nicht, wo der Eigentümer sitzt, wie sie gegenüber zur Sache RP sagt. Edgar Verheyen macht sich auf die Suche nach einer Wohngesellschaft, die Hunderte von Wohnungen verkommen lässt — und die Mieter im Stich lässt.

Fax an eine Betrugs-Anwältin
28. Oktober 2013

Sehr geehrte Frau Rechtsanwältin K.,

Ihren am 17. Oktober 2013 in betrügerischer Absicht an das Amtsgericht von Wilhelmshaven geschickten Schriftsatz habe ich zur Kenntnis genommen. Die von Ihnen bestrittenen Mängel in meiner Wohnung sind am 21. Oktober 2013 von Frau N. und einem Kollegen besichtigt worden. Die beiden arbeiten für die Treureal in Munster. Ich rufe hiermit Frau N. als Zeugin in dem Verfahren auf. Sie hat mir Abhilfe versprochen. Sogar bei der Suche nach einer neuen Wohnung will Frau N. mir helfen!

Zu Ihrer geradezu dreisten Behauptung, Anjas Erste Property/Beates Zweite Property habe einen Sitz in Frankfurt und dazu auch noch einen Geschäftsführer, weise ich Sie auf die jüngsten Recherchen von Journalisten hin. Ich zitiere aus einer Programmankündigung des Südwest-Fernsehens. Berichtet werden soll am 31. Oktober 2013 über eine Wohnanlage Ihrer Mandantin in Kaiserslautern, die ebenfalls von Treureal verwaltet wird. Nun das Zitat: "Eine Hausverwaltung gibt es zwar, doch die bekommt kein Geld mehr vom Eigentümer. Sie weiß auch nicht, wo der Eigentümer sitzt, wie sie gegenüber zur Sache RP sagt." Redakteure dieses Senders sind schon einmal nach Frankfurt gefahren, um festzustellen, dass Anjas/Beates dort einen Sitz nur vorgaukelt. 


Inzwischen weiß ich auch, dass unser Haus verkauft werden soll. Frau N. hat das mir gegenüber bei ihrem Besuch in Wilhelmshaven bestätigt. Der zum 1. Januar 2014 geplante Verkauf ist aber noch nicht über die Bühne gegangen. Wie soll man auch ein Haus von jemandem kaufen, von dem man nicht einmal weiß, wo er zu finden ist...

Akte an Staatsanwaltschaft weiterleiten

17. November 2013. Der SWF hat am Donnerstag erneut über Anjas Erste Property/Beates Zweite Property berichtet. Dabei ging es um Wohnblöcke in Kaiserslautern, die, wie das Haus in der Krummen Straße 1, von Treureal verwaltet werden.

Die Reporter sind sowohl in der Treureal-Zentrale in Mannheim als auch in der Kennedyallee 102 in Frankfurt gewesen, das Büro von André Haas suchten sie ebenfalls vergeblich. In der Kennedyallee 102 gibt es viele Anwälte, aber Anjas Erste/Beates Zweite gibt es dort nicht, Treureal in Mannheim kann keine Geschäftsadresse der Eigentümerin nennen, wo der Geschäftsführer sein Büro haben soll, lebt sein Vater. Der weiß nichts Näheres. 


Die Klage ist schon deshalb abzuweisen, weil der Anwalt der Klägerin keine gültige Vollmacht besitzt.

Treureal (III)






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